Sterblichkeit

Die Zahl der Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter liegt in Deutschland unter 1.4. Die Lebenserwartung der geborenen Jungen beträgt über 77, die der Mädchen über 82 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland), in der Schweiz liegt sie gar bei 80 und 84 Jahren (Quelle; Bundesamt für Statistik, Bern). Viele Menschen leben als Singles. In Deutschland sind von 40.5 Millionen Haushalten 16.7 Millionen Einpersonenhaushalte (41 %). Die Menschen werden daher immer seltener mit dem Tod unmittelbar, im engsten Familienkreis, konfrontiert.

Der Tod ist also zum außergewöhnlichen Ereignis geworden. Als Folge davon finden Todesfälle bei prominenten Zootieren ein großes Echo in den Medien, und selbsternannte Tierschützer benützen jeden Todesfall eines bekannten Zootieres um zu behaupten, die betreffende Tierart könne im Zoo nicht gehalten werden, und um "aus ethischen und tierschützerischen Gründen" ein Ende der Wildtierhaltung im Zoo zu fordern.

Dabei wird verkannt, dass der Tod in der Natur allgegenwärtig ist und dass sowohl die Evolution als auch der Nahrungskreislauf nur deswegen funktionieren können, weil die meisten Wildtiere vor Erreichen der Geschlechtsreife und nur die wenigsten an Altersschwäche sterben.

Ein paar Beispiele dazu:

  • Die Sterblichkeit von Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) beträgt im ersten Lebensjahr zwischen 32 und 98 %. Bei erwachsenen Tieren liegt sie schätzungsweise bei jährlich 50-80%. (LURZ, P., 2011)
  • Beim Feldhasen beträgt die Jungtiersterblichkeit 70% bis 95% (DEUTZ, A., &HINTERDORFER, F., 2000), ferner sterben während des Sommers rund 30 % der im Frühjahr vorhandenen erwachsenen Hasen. Die Wintersterblichkeit (ohne Jagd) eliminiert weitere 10 % des im Herbst vorhandenen Bestandes (Wildtiermanagement Niedersachsen). Nach MARBOUTIN & PÉROUX (1995) beträgt die Sterblichkeit adulter Feldhasen in einem unbejagten Revier 41-49 %. Ein einjähriger Hase lebt also im Mittel gerade noch 2-3 weitere Jahre, obwohl er theoretisch 12 Jahre alt werden könnte.
  • Bei den Löwen im Kalahari-Nationalpark, Südafrika, wurde festgestellt: "Rarely will more than three out of ten cubs live for more than a year. Only one of 16 cubs Professor Eloff monitored in the Dankbaar area survived for more than 18 months. The main cause of death in cubs is starvation". (MILLS, G. & HAAGNER, C., 1989)
  • Untersuchungen an freilebenden Eisbären in der Hudson Bay haben ergeben, dass von 200 Jungtieren, die im Frühjahr den Bau verlassen hatten, 56 % bis im Herbst starben (wie viele bereits im Bau gestorben waren ist nicht bekannt). Vom ersten bis zum zweiten Herbst starben von den Überlebenden nochmals 65 % (DEROCHER & STIRLING, 1996), das heisst die Sterblichkeit betrug hier schon in den beiden ersten Lebensjahren über 85 %. Wildlebende Eisbären, die nicht bereits als Jungtiere gestorben sind, sollen im Mittel ein Alter von 15 Jahren erreichen und es sollen nur wenige älter werden als 25 Jahre. Nach STIRLING (2002) ist dies wohl zu optimistisch: von 193 während der Jahre 1971-1979 in Kanada gefangenen Eisbären bekannten Alters waren nur 15 neun Jahre alt oder älter.
  • Bei freilebenden Afrikanischen Elefanten beträgt die Jungtiersterblichkeit während der ersten drei Jahre 27-38 %. Etwa 50 % der Elefanten sterben bevor sie 15 Jahre alt sind. (siehe www.animalinfo.org/species/loxoafri.htm)
  • Eine Untersuchung in Baden-Württemberg ergab, dass 22-24% der im Frühling geborenen Rehe während der ersten vier Lebensmonate sterben. (PEGEL, M., LVVG Aulendorf)
  • 1988 starben im Wattenmeer 23'000, im Jahr 2002 30'000 Seehunde an einer Staupe-Erkrankung (HÄRKÖNEN et al., 2006). Dies war jeweils mehr als die Hälfte des Bestandes.

Obige Beispiele betreffen Sterblichkeit aus natürlichen Ursachen. Hinzu kommen die Einflüsse des Menschen, die bei vielen Arten erheblich sind:

  • Ohne Interventionen nimmt der Bestand des Afrikanischen Elefanten im Krüger Nationalpark um 7% pro Jahr zu (Zunahme = Geburtenzuwachs minus natürliche Abgänge). Um den Bestand stabil zu halten, müssten also jährlich 7 % der Elefanten abgeschossen werden (WHYTE et al., 1999). Unter Berücksichtigung der natürlichen Sterblichkeit (siehe oben) beträgt daher die Lebenserwartung eines einjährigen Elefanten in einer stabilen Population weniger als 15 Jahre, dies bei einem möglichen Höchstalter von 60-70 Jahren.
  • Im Jahr 2008 bezifferte sich der Früjahrsbestand von Reh, Rothirsch und Gemse in der Schweiz

auf 120'090, 28'736 bzw. 95'986 Tiere. Auf der Jagd erlegt wurden, die Abschüsse von im selben Jahr geborenen Jungtieren nicht eingerechnet, 30'516 Rehe, 7683 Stück Rotwild und 13'744 Gemsen, das sind 25,4 % des Reh- , 26,7 % des Rotwild- und 14.4 % des Gemsbestandes. Beim Reh z.B. kommen noch 14'686 Stück aufgefundenes Fallwild hinzu (12.2 % des Frühjahrsbestandes, ohne vermähte Kitze), davon 8'461 Opfer des Strassenverkehrs. Im Klartext bedeutet dies, dass ein Reh, welches das erste Lebensjahr überstanden hat, noch weniger als zweieinhalb Jahre zu leben hat, obwohl das potentielle Höchstalter bei rund 15 Jahren liegt.

  • Die Jagdstrecke in Deutschland umfasste im Jahr 2009 1'102'604 Rehe (mit Kitzabschuss). Dies sind gut 40 % des Frühjahrsbestandes. Ferner werden auf Deutschlands Straßen bei einem geschätzten Frühjahresbestand von 2.5 Millionen Tieren jährlich rund 210'000 Rehe totgefahren (8.4 %), das sind 33 mal mehr als es menschlichen Verkehrsopfer gibt.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Kenntnisse über die Bedürfnisse exotischer Tiere äußerst bescheiden, es standen keine Antiparasitika und Antibiotika zu Verfügung, mit denen aus dem Ursprungsland mitgebrachte Krankheiten wirksam bekämpft werden konnten, und das Risiko dass Krankheiten von Nutztierbeständen, vom Pflegepersonal oder von Besuchern auf die suboptimal gehaltenen Zootiere übertragen wurden war damals sehr groß.Entsprechend gering war die Haltungsdauer der aus den Kolonien importierten Tiere. Der erste Gorilla auf deutschem Boden, den das Berliner Aquarium Unter den Linden 1876 für den damals riesigen Betrag von 20'000 Mark erworben hatte, hielt es bei einer Diät bestehend aus Frankfurter Würstchen, Käse, Stullen und Weißbier gerade mal 16 Monate aus, und ähnliche Beispiele ließen sich beliebig fortführen. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte die Lage aber schnell, weil laufend neue Erkenntnisse gewonnen, dokumentiert und in die Praxis umgesetzt wurden. (DOLLINGER, P., 1971)

Heute ist im Zoo die Lebenserwartung der Tiere in aller Regel höher als in der Wildbahn: Nach Internationalem Eisbären-Zuchtbuch lag die Aufzuchtrate der im Zoo geborenen Eisbären von 2000-2008 bei rund 50 %. Zur Sterblichkeit erwachsener Eisbären führen ZANDER & KOLTER (1995) Folgendes aus: "Das nach Daten aus RAMSAY & STIRLING (1988) geschätzte Durchschnittsalter weiblicher Eisbären liegt bei ca. 8 Jahren, das der im Zuchtbuch (LINKE 1993) aufgeführten Weibchen bei ca. 16 Jahren. Eisbären werden im Zoo also im Mittel doppert so alt wie in der Natur! Dementsprechend müssen die höheren Altersklassen in beiden Populationen sehr unterschiedlich vertreten sein. Während in der Hudson Bay nur ungefähr 3% der weiblichen Bären über 20 Jahre sind, sind es in europäischen Zoos 35%.".

Gegenwärtig (Herbst 2009) liegt Im Zoo das Höchstalter bei über 40 Jahren. Von den 306 am 13. September 2009 im Internationalen Zuchtbuch erfassten Eisbären waren 2 Tiere 40-41 Jahre, 19 Tiere 30-39 Jahre und 90 Tiere 20-29 Jahre alt. STIRLING (2011) stellt in seiner aktuellsten Publikation über Eisbären dagegen fest, dass das Durchschnittsalter erwachsener Eisbären in einer gesunden Freiland-Population bei 9-10 Jahren liegt und dass die ältesten Bären, die er je festgestellt hatte 28 (Männchen) bzw. 32 (Weibchen) Jahre alt gewesen waren.

PD - 16.04.2011; 07.01.2012
Die Zahl der Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter liegt in Deutschland unter 1.4. Die Lebenserwartung der geborenen Jungen beträgt über 77, die der Mädchen über 82 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland), in der Schweiz liegt sie gar bei 80 und 84 Jahren (Quelle; Bundesamt für Statistik, Bern). Viele Menschen leben als Singles. In Deutschland sind von 40.5 Millionen Haushalten 16.7 Millionen Einpersonenhaushalte (41 %). Die Menschen werden daher immer seltener mit dem Tod unmittelbar, im engsten Familienkreis, konfrontiert.

Der Tod ist also zum außergewöhnlichen Ereignis geworden. Als Folge davon finden Todesfälle bei prominenten Zootieren ein großes Echo in den Medien, und selbsternannte Tierschützer benützen jeden Todesfall eines bekannten Zootieres um zu behaupten, die betreffende Tierart könne im Zoo nicht gehalten werden, und um "aus ethischen und tierschützerischen Gründen" ein Ende der Wildtierhaltung im Zoo zu fordern.

Dabei wird verkannt, dass der Tod in der Natur allgegenwärtig ist und dass sowohl die Evolution als auch der Nahrungskreislauf nur deswegen funktionieren können, weil die meisten Wildtiere vor Erreichen der Geschlechtsreife und nur die wenigsten an Altersschwäche sterben.