Delfinhaltung

Atlantischer Tümmler (Tursiops truncatus) mit Kalb Atlantischer Tümmler (Tursiops truncatus) mit Kalb Zoo Duisburg

Zwanzig nach wissenschaftlichen Grundsätzen geleitete Meeressäuger-Haltungen Europas sind in der European Association for Aquatic Mammals (EAAM) vereinigt, darunter auch jene in Duisburg und Nürnberg. Delfinarien, die Mitglied der EAAM sind oder es werden wollen, unterliegen strengen Zertifizierungskriterien. Neben diesen Delfinarien, die Mitglied der EAAM sind, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Delfinhaltungen in Europa, zumeist privat betriebene, rein kommerzielle Delfinshows speziell in den Touristenhochburgen im Mittelmeerraum, die nicht den Mitgliederkriterien der EAAM entsprechen. Beide deutschen Delfinarien beteiligen sich am europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Große Tümmler der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung EAZA.

Die Erstzucht in Deutschland gelang dem Zoo Duisburg am 20. Juli 1978. Dieses und weitere Jungtiere, die bis 2006 geboren wurden, überlebten nicht lange. Von den seit 2007 geborenen Kälbern konnten dagegen 60% aufgezogen werden, was den Verhältnissen im Freiland eintspricht.

Im Auftrag der EU organisierte der Tiergarten Nürnberg, der 2011 seine neue Delfinlagune eröffnet hatte, im Sommer 2016 ein Seminar zum Thema "Beurteilung des Wohlergehens von Meeressäugetieren in Zoologischen Gärten".

Im Jahr 1990 lebten in den Zoos und Delfinarien der Mitgliedstaaten der EU und des EWR insgesamt 119 Große Tümmler, 10% (=12 Tiere) waren in menschlicher Obhut geboren, 90 % waren Wildfänge. Die Zählung von 1998 in diesen Ländern ergab ein Total von 181 Tümmlern verteilt auf 30 Institutionen in 11 Ländern. Der Anteil der Wildfänge war 64.6 %, jener der Nachzuchttiere 35.5 %. Im Jahr 2000 waren es bereits 188 Tümmler, wobei der Anteil der Wildfänge weiter auf 56 % gefallen, jener der zoogeborenen Tiere auf 44 %. gestiegen war. Am 1.8.2014 schließlich lebten in den Delfinarien Europas insgesamt 256 Tümmler, wovon nicht weniger als 69.5 % (= 178 Tiere) in Delfinarien geboren waren, z.T. bereits in zweiter Generation. Für 2008 liegen auch Zahlen der Alliance of Marine Mammal Parks and Aquariums (AMMPA) mit überwiegend nordamerikanischen Mitgliedinstitutionen vor, die 64 % Nachzuchttiere aufzuweisen hatten.

Durchschnittsalter wie Höchstalter der Delfine in Delfinarien entsprechen den derzeit bekannten Alterswerten der Delfine im Freiland bzw. überschreiten diese sogar. Bei Studien im Freiland schwanken die Werte der durchschnittlichen Lebenserwartung der Tiere je nach Region. Während die Lebenserwartung der Großen Tümmler in der Sarasota Bucht in Florida bei 17,4 Jahren liegt, zeigen andere Population, wie z.B. an den Küsten von Texas oder Louisiana, mit 10,9 bzw. 8,6 Jahren deutlich geringere Werte. Für amerikanischen Zoos und Delfinarien werden dagegen folgende Lebenserwartungen angegeben: Für die Periode 1975 - 1984 = 13,7 Jahre, für 1988 - 1992 = 19,6 Jahre und für 1993 - 2003 = 34 Jahre. In Europa lag bei der Zählung von 1998 das Durchschnittsalter (nicht die Lebenserwartung!) der Wildfänge bei 20 Jahren und ist seitdem gestiegen. Die positive Entwicklung der Delfinhaltung hat auch zur Folge, dass immer mehr Delfine ein sehr hohes Alter erreichen. In Europa sind heute über ein Drittel der Wildfänge zwischen 30 und 50 Jahre alt , Die ältesten bereits über 50 Jahre alt, ein Alter, das nur wenige Delfine im Freiland erreichen.

Bei vielen Tierarten ist die Jungtiersterblichkeit sehr hoch, Delfine stellen dabei keine Ausnahme dar. In Sarasota Bay (Florida, USA) z.B. sterben 19% der Kälber bevor diese das erste Lebensjahr erreicht haben und 46% vor Erreichen des dritten Lebensjahres (WELLS und SCOTT, 1990). Vergleichbare Ergebnisse konnten in Australien registriert werden. In der Shark Bay sterben 29% der Kälber vor Erreichen des ersten Lebensjahres, während 44% vor der Trennung von der Mutter (3 Jahre alt) sterben (MANN et al. 2000). Aufgrund der Tatsache, dass diese Berechnungen ausschließlich aufgrund gestrandeter Tiere gemacht werden und nicht jedes tote Delfinkalb angespült wird, weisen die Autoren dieser wissenschaftlichen Publikationen mit Recht darauf hin, dass die tatsächliche Sterberate bei Jungtieren in der Natur sicherlich noch höher liegt.
        
In Delfinarien war, soweit bekannt, die Mortalitätsrate von Jungtieren vergleichbar mit jener in der Wildbahn. Neueste Studien, die in drei amerikanischen Institutionen (US Navy, Dolphin Quest und Sea World) durchgeführt wurden, weisen jedoch auf eine Trendwende hin. Die Autoren dieser Studie analysierten insgesamt 253 Geburten, die von 1990 bis 2008 in diesen Haltungen stattgefunden haben. Von den 253 Kälbern lebten 197 (84.2%) nach dem ersten Lebensmonat und 184 (78.6%) nach dem ersten Lebensjahr. Obwohl die Delfinhaltung im Vergleich zu anderen klassischen Zootierhaltungen (Elefanten, Menschenaffen, usw.) relativ jung ist, zeigen diese Ergebnisse, dass die Zucht von Delfinen in Menschen Obhut möglich und der Aufbau einer selbsterhaltenen Population erreichbar ist. Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass im Jahr 2010 die EEP-Population einen Geburtenüberschuss von 4.7 % erzielte. Für die Jahre 2012-15 gibt CETA-BASE an, dass in Delphinarien in EU-Mitgliedstaaten 47 Große Tümmler geboren, aber nur 20 gestorben sind.

Diese Fakten widerlegen die von bestimmten Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen in die Welt gesetzten Behauptungen, wonach Delfine kaum über längere Zeit gehalten werden und erst recht nicht in größerem Umfang gezüchtet werden könnten.