Allgemeines

Tierhaltung

Zoologische Gärten halten ihre Tiere nach den Erkenntnissen der Tiergartenbiologie, einer von HEINI HEDIGER im Jahr 1942 begründeten Fachrichtung, die ein Grenzgebiet unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen mit einem Bezug zur Haltung von Tieren in Menschenobhut darstellt. Dazu gehören z.B. Zoologie, Botanik, Tiermedizin, Ethologie, Genetik, Ernährungslehre, Ökologie, Zoogeografie, Humanpsychologie, also alles, was im Zoo von biologischer Relevanz ist. Die Tiergartenbiologie sucht diese unterschiedlichen Disziplinen zu einer Einheit zu synthetisieren. Sie liefert einerseits die Grundlagen für die optimale Haltung von Wildtieren im Zoo und erforscht und formuliert andererseits die besonderen biologischen Gesetzmäßigkeiten, die sich aus der Zootierhaltung für Tier und Mensch ergeben.

Im Rahmen des Weltverbandes (WAZA) sowie des Europäischen Verbandes der Zoos und Aquarien (EAZA) wurden ethische Richtlinien verabschiedet, welche die Zoos u. a. verpflichten, dem Wohlergehen der ihnen anvertrauten Tiere jederzeit höchste Priorität einzuräumen. Gesetzliche Vorgaben im Tierschutz sollten sie stets als Mindestanforderungen betrachten. Sie sollen aber danach streben, Tiere nicht entsprechend den gesetzlichen Mindestnormen - in Deutschland das sogenannte Säugetiergutachten (Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren vom 7. Mai 2014) - zu halten, sondern ihnen möglichst optimale Lebensbedingungen zu bieten. Angemessene Pflegebedingungen sind zwingend und eine gute tierärztliche Versorgung muss vorhanden sein.

Diese Richtlinien sind für alle Mitgliedzoos des VDZ verpflichtend.

Das Magazin "Der STERN" führte in den Jahren 2000 und 2008 je einen „Großen Zoo-Test“ durch. Dabei wurde festgestellt, dass die Zoos zwischen dem ersten und dem zweiten Test enorme Fortschritte gemacht hätten: "Wer vor zehn Jahren das letzte Mal im Tierpark war, erlebt heute eine neue Welt." Dies verwundert eigentlich nicht, denn aus privaten und öffentlichen Quellen wurden namhafte Geldbeträge zur Verfügung gestellt, um die Zoos, die beliebtesten Freizeiteinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Dazu gehören sowohl eine Optimierung der Tierhaltung als auch ein Eingehen auf die gewandelten Bedürfnisse der Besucher. 2009 veröffentlichte der Brite Anthony Sheridan die Ergebnisse eines von ihm durchgeführten Zoo-Tests in den „International Zoo News“. Dieser Test umfasste 80 Tiergärten in 21 Ländern und berücksichtigte einen umfangreicheren Kriterienkatalog als der Große Zoo-Test des STERN. Die Mitgliedzoos des VDZ belegten die Spitzenplätze und schnitten allgemein überdurchschnittlich gut ab.
Bei einer zweiten Beurteilung im Jahr 2010 stützte sich die Qualitätsbeurteilung auf mittlerweile 26 Kriterien – unter anderem Tierhaltung, Artenvielfalt, Artenschutz, Investitionen, Marketing, Besucherzahlen, Zoopädagogik und Personal. Die VDZ-Zoos belegten 60% der Spitzenränge, sowohl bei den "Top Ten" als auch bei den ersten 20 oder 25 der insgesamt 80 Zoos.

Dies ficht allerdings einige zoofeindliche Organisationen nicht an. Unbekümmert verbreitet die Tierrechts-Industrie im Internet und in ihren Pamphleten Behauptungen, die der Entwicklung der Zoos in den letzten Jahrzehnten keinerlei Rechnung tragen, wie z.B:

"Stahlgitter, Beton, Glas und Kacheln bilden die trostlose Umgebung der Tiere im Zoo. Sie können nicht mehr auf Streifzüge gehen, eine Beschäftigung, die in der Natur einen großen Zeitraum ihres Lebens einnimmt. .... Die Zootiere sind ihrer natürlichsten Bedürfnisse beraubt. Die Folgen dieser brutalen Tierquälerei sind verhaltensgestörte und in den Wahnsinn getriebene Geschöpfe."

Ferner wird bemängelt: Die Tiere "haben keine Möglichkeit, den Gerüchen ihrer natürlichen Feinde, die im Nachbarkäfig eingesperrt sind, zu entkommen.". Ob die Gerüche ihrer natürlichen Feinde die Tiere stören, haben die selbsternannten Experten natürlich nicht abgeklärt. Tatsache ist, dass potenzielle Beutetiere sehr wohl abschätzen können, ob von einem Fressfeind eine Bedrohung ausgeht. Ist dies nicht der Fall, so flüchten sie auch im Freiland nicht, sondern ruhen oder fressen in nächster Nähe. Im gleichen Atemzug behaupten die Tierschutzaktivisten, Zootiere hätten "keine Möglichkeit, Kontakt zu anderen Tierarten aufzunehmen", was ebenfalls nicht stimmt. Der rechts abgebildete Straußenhahn hat nicht nur keine Angst vor der Löwin und teilt sein Gehege nicht nur mit seinen Hennen, sondern hat auch die Gesellschaft von Steppenzebras, Warzenschweinen und Marabus (siehe auch Vergesellschaftung).

Darüber hinaus wird Unsinn erzählt wie "Bevor die Tiere eingesperrt werden können, müssen sie an ihren Hauptfeind, den Menschen gewöhnt werden. Mit körperlicher und psychischer Gewalt wird in einer Art “Umerziehungslager” der Wille der Tiere gebrochen, bevor sie an die Zoos geliefert werden."

Diese Texte werden per "copy-paste" von Aktivistenseite zu Aktivistenseite übertragen. Ihren Wahrheitsgehalt überprüft niemand. Illustriert wird das Ganze mit Fotos, auf denen hauptsächlich gestochen scharfe Gitter und dahinter ein Tier auf nacktem Betonboden zu sehen ist, oder gerne auch ein Bär, der scheinbar Mitleid heischend zwischen schweren Gitterstäben hindurchschaut.

Tatsache ist, dass die allermeisten Zootiere nicht in der Savanne oder im Urwald eingefangen wurden, sondern bereits im Zoo geboren sind, und dass die Menschen nicht ihre Hauptfeinde sind, sondern ihr Personal, das sie mit Futter versorgt. Ihr Gehege nehmen die Zootiere nicht als Gefängnis wahr, sondern als ihr Heim, das sie notfalls gegen Eindringlinge verteidigen. Und wer in den Zoo geht kann sich davon überzeugen, dass moderne Zoogehege möglichst naturnah gestaltet sind, dass, wo immer es geht, Tierarten miteinander vergesellschaftet werden, und dass die Tierpfleger vielfach dafür sorgen, dass die Tiere beschäftigt sind.

Nachdem nun aber die Zoos massiv in neue Anlagen investieren, ziehen die alten Argumente der Tierschutzaktivisten immer weniger. Der Geschäftsführer einer großen deutschen Tierschutzorganisation hat sich deshalb in Zusammenhang mit der Eröffnung der Ökosystemhalle "Gondwanaland" in Leipzig etwas Neues ausgedacht: Nicht die Bedürfnisse der Tiere, sondern die Wünsche der Menschen stünden im Vordergrund. Die Tiere verkämen zur Staffage, um den Besuchern ein exotisches Ambiente schaffen zu können. Zu einer artgerechten Haltung gehöre aber auch, den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu geben. "Für den biertrinkenden VIP-Besucher“ seien die Wildtiere nur noch Kulisse. Mit Artenschutz und Bildung habe das nichts zu tun.

Ungeschickterweise hatte der Mann seinen Rundumschlag vor der Eröffnung gemacht und ohne "Gondwanaland" gesehen zu haben.
Er konnte deshalb nicht ahnen, wie abwegig seine Kritik war: Der Einstieg durch einen Bergwerksschacht vermittelt durch die Präsentation „Lebender Fossilien“ Einsichten in die Erdgeschichte. Die Bootsfahrt auf dem Tropenfluss ist verbunden mit einer fulminanten Multimedia-Präsentation zur Erdentstehung, Ökologie und Gefährdung der Biodiversität der Regenwälder. In einem besonderen Pavillon wird ein vom Zoo gefördertes Artenschutzprojekt in Malaysia vorgestellt. Der Restaurationsbetrieb befindet sich diskret in einer Ecke, von wo aus keine Tiere zu sehen sind. Diese sind keineswegs Staffage, sondern bewohnen geräumige Anlagen, die so gestaltet und so dicht bepflanzt sind, dass sich das Publikum oft anstrengen muss, um überhaupt ein Tier zu Gesicht zu bekommen. Wer die Tropenhalle Gondwanaland besucht hat, kann daher nur sagen: "Dümmer geht's nümmer".

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zur Tierhaltung in VDZ-Zoos. Aber noch besser: Gehen sie hin und schauen sie selbst!

 

Literatur:
DOLLINGER, P. (Red., 2012)